Um 9 Uhr gehe ich zur Metrostation El Behoos, das ist ca. 10 Minuten Fußweg und fahre eine Station bis Doqqi, dort treffe ich auf einen Freund von Denis Dailleux, der mich abholt. Heute machen wir eine Bootsfahrt und Denis versichert mir gern, dass ich diesen oder jenen Ort sehen muss und er hat immer Recht, denn er lebt seit 15 Jahren hier. Im Schlepptau haben wir drei weiter Franzosen, die aber immer hinterher schlendern. Die Herren Fotografen vorweg. Die Sprache an diesem Tag ist Französisch, immer so lange bis ich aufgebe.
Wir nehmen zwei Taxis bis zum Bus, welches uns zum Boot bringt. Das Boot liegt natürlich auf dem Nil und da auch hier Ostern ist bzw. Frühlingsfest (Sham El-Nessim), sind die Boote gnadenlos überfüllt. Es ist wie mit den Autos – alles drückt und drängelt, aber im Ganzen sehr liebevoll und ohne System. Wir ergattern eines. Nach ca. 20 Minuten geht unsere Fahrt dann los und der erste Bollywood-Gedanke kommt, als aus den Lautsprechern heimische Musik schrottet. Die Boxen hier haben gerne mal Höhen und Mitten aber die Bässe sind wohl zu groß, dafür dreht man dann etwas lauter, nein viel lauter bis das Trommelfell merkwürdige Effekte macht. Der Bewegungsdrang des Ägypters ist enorm, hört er nur zwei aufeinanderfolgende Takte, zuckt die Hüfte und die Arme verdrehen sich und die Hände fliegen in die Luft. Das Boot tanzt. Ich bin quasi auf einer großen Tanzveranstaltung gelandet und das alles auf dem Wasser. Irgendwann kommt dann auch das Polizeiboot und ich meine zu erfahren, dass wir zu laut waren, das kostet Strafe. Das Polizeiboot entfernt sich und die Musik setzt unvermittelt mit gleicher Lautstärke wieder ein. Solange man dafür zahlt.
Nach ca. 2 Stunden Ohrenbetäubenden Lärms und Tanzen und Bootschunkeln kommen wir Nilabwärts, sprich weiter nördlich zu einem Staudamm. Da verlassen wir das Boot und plötzlich bekommt man gar keinen Fuß mehr an die Erde. Alle sind sehr flamboyant gekleidet und drängeln sich in den nahegelegenen Park. Der einst dem König gehört hat. Heute ist er zum Großteil noch gesperrt für den Präsidenten, aber Platz zum Sitzen ist ja auch auf der Strasse. Im Park liegen und sitzen die Menschen dicht an dicht, essen eigens für diesen besonderen Tag hergestellte Lebensmittel, wie Raucherfisch und bemalte Eier. Sham El-Nessim ist so ganz ursprünglich eine koptische Angelegenheit. Die Kopten also christliche Ägypter machen 6-10% der Bevölkerung hier aus und werden aber als Minderheit gerechnet. Diesen Tag jedoch begehen nicht nur Christen, das kann man deutlich sehen. Der Brauch kommt tatsächlich noch aus pharaonischer Zeit.
Kultiviert wie überall wo Menschen in Ägypten leben, wirft man seinen Müll halt einfach auf den Boden. Das ist auch schon zuvor auf dem Boot passiert, das alles nicht mehr Brauchbare eben im Wasser landet. Ich ertappe mich das auch tun zu wollen und irgendwie kann ich das nicht, meine ich. Stunden später nach nur etwa 3 überquellenden Mülleimern, gebe ich auf und lege meine leere Wasserflasche verstohlen auf den Boden.
Also Menschen und Müll im Grünen, ein buntes Bild. Wir befinden uns in AnAter inmitten von Pferden, knatternden Mofas, Fußgängern, Kamelen, Kutschen, Tuctucs und Leihrädern, die Dame von Welt fährt gerne mit Stützrädern. Der Ort besitzt einen Riesengarten aus der Zeit von Mohamed Ali (ca. 150 Jahre alt)
Diese dreiräderigen überdachten Gefährte kenne ich auch nur aus Indien, aber heißen sie nun Tuctucs oder Tuktuks. (Sabine bitte hilf mir!)
Wir laufen viele Stunden immer am Wasser entlang, das sehr fruchtbare Ufer ist verzweigt und je einsamer es wird, um so größer werden die Augen, derer die uns sehen. Plötzlich hört man nicht mehr ‚Welcome To Egypt‘ oder ‚Hello. What’s Your Name?‘, sondern ‚I Love Your Blond Hair‘. Die Menschen schauen genauso neugierig, wie wir es sind und wenn wir pausieren stehen alle einfach im Kreis um uns rum und winken, grinsen und schauen. Ich komme mir vor wie ein Popstar. Irgendwann hier im Nildelta gibt es ein riesen Tumult und ein alter Mann läuft kotzend, schreiend und weinend an uns vorbei und man meinte er sei krank. Unverständnis. Dann strömen alle zum Wasser und es gibt plötzlich einige Polizeiboote an einer Stelle im Wasser. Am Ufer großes Gekreische und in diesem Moment wird ein Mann an uns vorbeigetragen, aber von der Straße zum Wasser, er scheint ohnmächtig. An einer Stelle wo viele mutig ins Wasser hüpfen ist etwas passiert. Irgendwann erfahren wir dann, dass er der Vater von zwei Burschen ist, die zusammen mit einem dritten ertrunken sind. Der andere Mann war der Vater des andern Jungen. Drei Kinder, nicht mal Teenager werden aus dem Wasser geborgen, wir gehen. Wir sind erschüttert.
…und nein - ich habe das nicht fotografiert!
Nach diesem Schock laufen wir zurück zu den Booten, die aber schon alle fort sind und wir beschließen zu fragen, was die Rückfahrt nach Kairo mit dem Taxi kostet, denn wir sind 25 km nördlich von Kairo, allerdings wird auch dieser Ort gerne noch zum Großraum Kairo dazu gezählt.
Der Taxifahrer will unglaublich wenig Geld für die Fahrt, aber auch nur deshalb, weil er zwischendurch noch beten möchte. Wir finden das prima und fahren ein Stück, er betet 20 Minuten und dann fahren wir weiter.
Wir essen, wir trinken ein Bier auf dem Dach des Hotel Odeon in der 10. Etage und dann muss ich los, Joghurt auf meinen Sonnenbrand schmieren und die beiden Deutsch, mit denen ich die Wohnung teile, während meine Vermieterin nicht hier ist, verabschieden. Also der Nießer und der Huster sind jetzt leider auch wieder auf dem Heimweg.
Im Austausch für die beiden Jungs bekomme ich dann heute Nacht meine 'Möhrchengeberin' zurück. Morgen muss ich mit dem Mann schimpfen der meine Negative etwas versaut hat und spät gehe ich wieder in die Makan Bar, in der ich schon einige Male war, die mit der Zar-Musik. Ansonsten bleibe ich der Sonne fern, da ist sich der hummerfarbene Pancho sicher.
Dienstag, 6. April 2010
Paul und Pancho im Schlüpfer-Paradies
P! heißt also Paul und ich darf das jetzt auch sagen, denn ich habe seine Genehmigung. Wir waren also Shoppen. Haben uns eingedeckt mit Hemdchen und Shirts und Hose und Schlüpfer, denn die sind hier mal eben nicht nur extrem trashig sondern auch sehr günstig. Nach dieser Aktion haben wir dann noch ein Bier eingenommen, sind quasi von der Straße geflüchtet, denn plötzlich waren wir genau die, die wir nicht sein wollten, die reichen Europäer. Zumindest mussten wir anhand der ganzen Tüten so ausgesehen haben.
Gestern war ich hier endlich mal beim Sport. Man knüpft dabei nicht nur einfach Kontakte sondern fühlt sich danach auch richtig fit. Aber nicht nackig machen! Das Geschlechtsteil wird auch unter Dusche verborgen. Das Planschbecken, das es hier gibt, diese Dinger heißen ‚Jacuzzi‘ oder so, darf man auch nur mit Badehose betreten und das wird von einem Wächter überprüft, der vor dem brodelnden Becken sitzt.
Gestern war ich hier endlich mal beim Sport. Man knüpft dabei nicht nur einfach Kontakte sondern fühlt sich danach auch richtig fit. Aber nicht nackig machen! Das Geschlechtsteil wird auch unter Dusche verborgen. Das Planschbecken, das es hier gibt, diese Dinger heißen ‚Jacuzzi‘ oder so, darf man auch nur mit Badehose betreten und das wird von einem Wächter überprüft, der vor dem brodelnden Becken sitzt.
Samstag, 3. April 2010
Mimik & Gestik
36° Die Sonne knallt unerbittlich und ich bin alleine wegen meiner sehr blass roten Haut gezwungen eine kleine Pause einzulegen. Also heute gibt es keinen 12 Stunden Marsch. Der Nießer und der Huster sind tapfer und schauen sich jede interessante Ecke an, die der Führer hergibt. Wir haben ein sehr schönes Frühstück zusammen gehabt mit Rührei und frischem Orangensaft.
Meine größte Aufregung für den Tag soll sein, dass ich um 18 Uhr meine Negative abhole mit einer Low Resolution CD, von der ich dann wenn die Bilder was geworden sind, direkt welche in den Blog stellen kann. Jetzt wird die Seite wieder bunter.
Es ist vielleicht mal wieder Zeit über eine Eigenart zu berichten. Thema heute:
Mimik und Gestik
Der Ägypter an sich hat ein melancholisch nachdenkliches Gesicht, so finde ich. Ich will mal nicht von Mandelaugen oder so einem Quatsch reden, denn ich mache ja keine Rassen-Studie. Wenn ich einen Menschen frage, ob ich ein Bild machen kann, dann stellt sich die/derjenige hin und schaut, gar nicht unbedingt in die Kamera. Es gibt hier nicht den Gedanken ‚Cheeeeeese‘ zu machen und ein bisschen freundlich lächelnd die Linse zu fixieren. Man spielt nicht mit seinem Gegenüber sondern ‚Ist‘. Ich habe mehrfach darüber nachgedacht, wie ich denn den Ägypter in Pose bringe, und zwar so, dass es nicht nach Pose aussieht, aber das brauche ich gar nicht. Die Menschen posieren nicht, vielleicht weil sie es nicht gewohnt sind oder auch verwundert sind wie lange es dauert bis ich mit meinem Belichtungsmesser durch ihr Gesicht gefuchtelt bin, dass eben gerade die totale Verwirrung in ein sehr neutralen, eher melancholischen Gesichtsausdruck mündet. Die Jugend hier allerdings posiert wiederum extrem, da kann man schon mal das Gehabe von Eminem, Snoop Dogg oder Michael Jackson wiederfinden oder der Klassiker hier ist, einen Daumen oder eine Faust an oder unter sein Kinn zu legen, wie bei einer Statue aus der griechischen Antike. Sehr schön.
Auf meine Mimik versuche ich sehr genau zu achten und zwar den ganzen Tag. Ich bin immer freundlich bis lächelnd und das kommt gut an, denn Mr. Kodak hat immer gute Laune und scheinbar überträgt sich das Wiederspiegeln direkt auf meine Laune, denn ich war hier noch nie schlecht drauf und überhaupt schon nicht weil irgendjemand mir blöd gekommen wäre. Vorsicht Klischee-Satz: ‚Die Menschen hier sind total freundlich und hilfsbereit‘. Ich merke nur, dass ich große Menschenansammlungen wie die Basare nicht länger als eine Stunde machen kann, denn danach habe ich dann genug lächelnd und dankend die dargebotenen Tauben, Schlangen, Tomaten und Bananen abgelehnt. Dann gehe ich an den Rand rauche eine Zigarette und ab geht es wieder mit frohem nikotinerfrischtem Blut zu den nächsten Tomaten und Schlangen.
Das Fixieren von Menschen auf der Straße ist nicht machbar, also Starren geht gar nicht. Benimm wäre tatsächlich den Blick auch zu senken, aber dann sehe ich ja nix. Also dezent. Die jüngere Generation habe ich gemerkt, schaut man einfach lange an und entfacht mit seinem eigenen Gesicht ein Grinsen und dann wird man auch sofort gegrüßt und es werden Hände geschüttelt und sich mit Händen und Füßen unterhalten. Ich rede ja viel über Fußball, das kommt gut an, wahlweise auch über Autos. Und dann kommt die Kamera.
Bei Frauen belasse ich es gerne, mit dem schüchternen Blick aus den Augenwinkeln.
Die Gestik ist sehr anders, bestes Beispiel ist das Zeichen was man in Italien für ‚Arschloch‘ macht bedeutet hier: Moment – langsam! Ansonsten geht es sehr temperamentvoll zu. Es wird viel gebärdet und gefummelt. Die Rechnung bestelle ich mit folgender Geste. Die rechte Hand durchschneidet die Linke Innenhandfläche da wo Daumen und Finger sich trennen. Ein Kopfschütteln kann auch mal ‚Ich habe verstanden‘ bedeuten, was bei manch Taxifahrt zur Verwirrung führt.
Ja überhaupt die Taxifahrer und Fahrten, da werde ich mal ein anderes Mal drüber berichten…
Meine größte Aufregung für den Tag soll sein, dass ich um 18 Uhr meine Negative abhole mit einer Low Resolution CD, von der ich dann wenn die Bilder was geworden sind, direkt welche in den Blog stellen kann. Jetzt wird die Seite wieder bunter.
Es ist vielleicht mal wieder Zeit über eine Eigenart zu berichten. Thema heute:
Mimik und Gestik
Der Ägypter an sich hat ein melancholisch nachdenkliches Gesicht, so finde ich. Ich will mal nicht von Mandelaugen oder so einem Quatsch reden, denn ich mache ja keine Rassen-Studie. Wenn ich einen Menschen frage, ob ich ein Bild machen kann, dann stellt sich die/derjenige hin und schaut, gar nicht unbedingt in die Kamera. Es gibt hier nicht den Gedanken ‚Cheeeeeese‘ zu machen und ein bisschen freundlich lächelnd die Linse zu fixieren. Man spielt nicht mit seinem Gegenüber sondern ‚Ist‘. Ich habe mehrfach darüber nachgedacht, wie ich denn den Ägypter in Pose bringe, und zwar so, dass es nicht nach Pose aussieht, aber das brauche ich gar nicht. Die Menschen posieren nicht, vielleicht weil sie es nicht gewohnt sind oder auch verwundert sind wie lange es dauert bis ich mit meinem Belichtungsmesser durch ihr Gesicht gefuchtelt bin, dass eben gerade die totale Verwirrung in ein sehr neutralen, eher melancholischen Gesichtsausdruck mündet. Die Jugend hier allerdings posiert wiederum extrem, da kann man schon mal das Gehabe von Eminem, Snoop Dogg oder Michael Jackson wiederfinden oder der Klassiker hier ist, einen Daumen oder eine Faust an oder unter sein Kinn zu legen, wie bei einer Statue aus der griechischen Antike. Sehr schön.
Auf meine Mimik versuche ich sehr genau zu achten und zwar den ganzen Tag. Ich bin immer freundlich bis lächelnd und das kommt gut an, denn Mr. Kodak hat immer gute Laune und scheinbar überträgt sich das Wiederspiegeln direkt auf meine Laune, denn ich war hier noch nie schlecht drauf und überhaupt schon nicht weil irgendjemand mir blöd gekommen wäre. Vorsicht Klischee-Satz: ‚Die Menschen hier sind total freundlich und hilfsbereit‘. Ich merke nur, dass ich große Menschenansammlungen wie die Basare nicht länger als eine Stunde machen kann, denn danach habe ich dann genug lächelnd und dankend die dargebotenen Tauben, Schlangen, Tomaten und Bananen abgelehnt. Dann gehe ich an den Rand rauche eine Zigarette und ab geht es wieder mit frohem nikotinerfrischtem Blut zu den nächsten Tomaten und Schlangen.
Das Fixieren von Menschen auf der Straße ist nicht machbar, also Starren geht gar nicht. Benimm wäre tatsächlich den Blick auch zu senken, aber dann sehe ich ja nix. Also dezent. Die jüngere Generation habe ich gemerkt, schaut man einfach lange an und entfacht mit seinem eigenen Gesicht ein Grinsen und dann wird man auch sofort gegrüßt und es werden Hände geschüttelt und sich mit Händen und Füßen unterhalten. Ich rede ja viel über Fußball, das kommt gut an, wahlweise auch über Autos. Und dann kommt die Kamera.
Bei Frauen belasse ich es gerne, mit dem schüchternen Blick aus den Augenwinkeln.
Die Gestik ist sehr anders, bestes Beispiel ist das Zeichen was man in Italien für ‚Arschloch‘ macht bedeutet hier: Moment – langsam! Ansonsten geht es sehr temperamentvoll zu. Es wird viel gebärdet und gefummelt. Die Rechnung bestelle ich mit folgender Geste. Die rechte Hand durchschneidet die Linke Innenhandfläche da wo Daumen und Finger sich trennen. Ein Kopfschütteln kann auch mal ‚Ich habe verstanden‘ bedeuten, was bei manch Taxifahrt zur Verwirrung führt.
Ja überhaupt die Taxifahrer und Fahrten, da werde ich mal ein anderes Mal drüber berichten…
Freitag, 2. April 2010
Ostern mit Spiegeleiern
34° sind auf der Messlatte zu entnehmen und das ist schon mal echtes FlipFlop-Wetter mit Schlabberhose und kaum T-Shirt. Nicht so hier. Ich laufe in einer langen schwarzen Hose rum und mit schwerem Equipment. Heute sehe ich einen Bodybuilding Contest. Nachdem ich schon gestern ins absolut tiefste Kairo geraten bin, soll es heute ähnlich werden, ich komme echt rein und ran! Ich befinde mich im islamischen Viertel.
Gestern also treffe ich mich erneut mit Denis Dailleux und wir tauchen ein ins Verborgene Kairo. Die schmalsten Gassen, die tiefsten Häuserschluchten mit Winkeln und Gassen. Das Licht ist fantastisch, natürlich dunkel, aber wenn es aus den Ritzen spielt und die Szenerie eintunkt in eine Atmosphäre aus Realitäten der Arbeitswelt, Lebensweisen und Lebenswegen, denn alles trifft hier zusammen. Mir wird erst jetzt bewusst, dass der Blech-Polierer, den ich neulich fotografiert habe, nicht alt werden wird, denn er atmet den ganzen Tag diesen heftig silbrigen Feinstaub. Mundschutz ist nicht. Und so geht es wohl auch vielen anderen Arbeitern, die mit ätzenden Flüssigkeiten rumhantieren und Dämpfe und Stäube atmen. Auf den Straßen selbst bekommt man auch kaum noch Luft, der Smog ist so heftig, dass die Sonne nicht am Horizont sondern irgendwann im grauen Dunst untergeht.
Es wird hoffentlich viele überraschende Bilder des Viertels geben, welches zum alten Kairo gehört, sich abgrenzt von einer neu begradigten Touristenmeile. Jedenfalls rede ich viel mit Händen und Füßen und ich bekomme immer einen Tee. Die Messchen sind genauso neugierig auf mich wie ich auf sie. Und auch wenn kein Abbild zu machen ist, lassen sich die meisten sehr gerne fotografieren.
Mittlerweile laufe und fotografiere ich zwischen 7 und 12 Stunden täglich. Meine Füße schmerzen, aber ich bin ein bisschen besessen, seit dem ich merke, dass ein Kontakt durch einen anderen entsteht und ich mich einfach, wenn ich nichts Konkretes habe, treiben lasse. Die Kontakte stehen allerdings nach wie vor, vor dem Foto.
Heute bin ich mal einfach zu einem Body Building Contest gegangen, in der Nähe der Metro-Station Saray El-Qobba im Norden. Das war sehr irre. Erst steht man abseits und plötzlich wird man in die erste Reihe gebeten und auch Backstage zum Einölen und Pumpen und Posen durfte ich fotografieren, also gibt es auch ein paar Muckimann-Bilder. Was mich daran interessiert hat war, wie sie sich präsentieren, denn nachdem sich in den letzten 10 Jahren immer mehr Frauen verschleiern (aus eigenem Antrieb, Glauben oder Druck von außen sei dahingestellt) oder wenigstens ein Kopftuch tragen ist es bei den Männern ähnlich. Man(n) zeigt keine Haut, die Arme ja, die Hände und Füße auch aber man sieht auch bei der Affenhitze niemals einen freien Oberkörper. Die Bodybuilding Show läuft natürlich so ab, wie man das erwartet, viel Körper, viel Haut, allerdings ist der Rahmen sehr witzig. Die Herren stehen auf Teppichen auf der Bühne.
Nach Stunden fahre ich noch auf einen städtisch angelegten Park, dem Al Azhar Park der eine ehemalige Müllkippe ist. Hier prallen schon bei der Skyline Welten aufeinander. Da muss ich auch wieder hin zum Fotografieren. Damen sitzen in der Sonne auf einer Decke, aber nicht mit Hijab, was der Schleier oder das Kopftuch ist sondern in kompletter schwarzer Niqab mit Handschuhen.
Morgen Abend kommen endlich meine ersten Filme zurück, dann gibt’s was zu sehen.
Gestern also treffe ich mich erneut mit Denis Dailleux und wir tauchen ein ins Verborgene Kairo. Die schmalsten Gassen, die tiefsten Häuserschluchten mit Winkeln und Gassen. Das Licht ist fantastisch, natürlich dunkel, aber wenn es aus den Ritzen spielt und die Szenerie eintunkt in eine Atmosphäre aus Realitäten der Arbeitswelt, Lebensweisen und Lebenswegen, denn alles trifft hier zusammen. Mir wird erst jetzt bewusst, dass der Blech-Polierer, den ich neulich fotografiert habe, nicht alt werden wird, denn er atmet den ganzen Tag diesen heftig silbrigen Feinstaub. Mundschutz ist nicht. Und so geht es wohl auch vielen anderen Arbeitern, die mit ätzenden Flüssigkeiten rumhantieren und Dämpfe und Stäube atmen. Auf den Straßen selbst bekommt man auch kaum noch Luft, der Smog ist so heftig, dass die Sonne nicht am Horizont sondern irgendwann im grauen Dunst untergeht.
Es wird hoffentlich viele überraschende Bilder des Viertels geben, welches zum alten Kairo gehört, sich abgrenzt von einer neu begradigten Touristenmeile. Jedenfalls rede ich viel mit Händen und Füßen und ich bekomme immer einen Tee. Die Messchen sind genauso neugierig auf mich wie ich auf sie. Und auch wenn kein Abbild zu machen ist, lassen sich die meisten sehr gerne fotografieren.
Mittlerweile laufe und fotografiere ich zwischen 7 und 12 Stunden täglich. Meine Füße schmerzen, aber ich bin ein bisschen besessen, seit dem ich merke, dass ein Kontakt durch einen anderen entsteht und ich mich einfach, wenn ich nichts Konkretes habe, treiben lasse. Die Kontakte stehen allerdings nach wie vor, vor dem Foto.
Heute bin ich mal einfach zu einem Body Building Contest gegangen, in der Nähe der Metro-Station Saray El-Qobba im Norden. Das war sehr irre. Erst steht man abseits und plötzlich wird man in die erste Reihe gebeten und auch Backstage zum Einölen und Pumpen und Posen durfte ich fotografieren, also gibt es auch ein paar Muckimann-Bilder. Was mich daran interessiert hat war, wie sie sich präsentieren, denn nachdem sich in den letzten 10 Jahren immer mehr Frauen verschleiern (aus eigenem Antrieb, Glauben oder Druck von außen sei dahingestellt) oder wenigstens ein Kopftuch tragen ist es bei den Männern ähnlich. Man(n) zeigt keine Haut, die Arme ja, die Hände und Füße auch aber man sieht auch bei der Affenhitze niemals einen freien Oberkörper. Die Bodybuilding Show läuft natürlich so ab, wie man das erwartet, viel Körper, viel Haut, allerdings ist der Rahmen sehr witzig. Die Herren stehen auf Teppichen auf der Bühne.
Nach Stunden fahre ich noch auf einen städtisch angelegten Park, dem Al Azhar Park der eine ehemalige Müllkippe ist. Hier prallen schon bei der Skyline Welten aufeinander. Da muss ich auch wieder hin zum Fotografieren. Damen sitzen in der Sonne auf einer Decke, aber nicht mit Hijab, was der Schleier oder das Kopftuch ist sondern in kompletter schwarzer Niqab mit Handschuhen.
Morgen Abend kommen endlich meine ersten Filme zurück, dann gibt’s was zu sehen.
Donnerstag, 1. April 2010
Der Tag des Zuwachses und der Abwanderung Teil 2 (Der Versprochene)
Hier also noch der zweite Teil der letzten Tage: Meine ‚Möhrchengeberin verlässt mich für eine Woche Richtung Deutschland. Dafür kommt Besuch aus Deutschland (Der Huster und der Nießer) zudem eine Bekannte aus Athen, allerdings eine Hamburger Deern im Ursprung.
Mit der Hamburgerin besuche ich El Sawy Culture Wheel, dort gibt es eine Fotoausstellung von Asharaf Talaat ‚Point Of View‘. Bilder von Ägypten, aus Indien und Deutschland. Interessante Perspektiven ergeben sich, wenn ein Ausländer das eigene Land wahrnimmt und mit einigem Witz und einem guten Auge den Finger in Wunden legen kann. Schwarz-Weiß Fotos bekommen wir zu sehen im Culture Wheel, welches unter einem ‚Overfly‘ gelegen ist. ‚Overflies‘ sind die riesigen innerstädtischen Brücken die über große Straßenkreuzungen gehen und dem Taxi-Fahrer eine Chance bietet den Gaspedal mal voll durchzutreten. Im Kulturzentrum gibt es auch ein Theater, eine Marionettenbühne, diverse andere Ausstellungen und alles befindet sich eben unter einer Brücke. Eintritt frei.
Am Dienstag fahren wir vier Deutschen zur Alabaster Mosche, hier Mohammed Ali Mosche genannt. Das ist nicht der Mohammed Ali, der seine Gegner durch den Ring gejagt hat, allerdings wurden wir auch durch die Moschee gejagt, denn einen Schritt zurück ging es nicht. Einige schöne Stadtübersichten sind entstanden, denn an diesem Tag konnte man sehr weit schauen. Im Anschluss ist es Zeit sich zu verlaufen und bei einem Straßenhändler Kosheri zu essen. Das genießen wir sehr und es ist natürlich etwas ungewohnt aus Plastikschalen zu essen, die in einem Eimer unter dem Wagen gespült werden. Das Essen ist super und ich überlebe durchfallfrei gar das gereichte Wasser, aus einem anderen Eimer. Jetzt ist mein Magen angekommen. Kosheri ist neben den Bohnen das, was der Ägypter hier gerne und viel ist, so wie der Deutsche Pommes Schranke. Hatte ich das schon beschrieben? Nudeln, Reis, Linsen, Röstzwiebeln, Kichererbsen mit Tomatensoße die mit sehr viel Knoblauch und Kreuzkümmel gewürzt ist. Lecker!
Am Abend finden sich alle in der Makan Bar ein. Da gibt es mehrmals in der Woche Musik. Heute eine Live Truppe aus dem Sudan. Die Zuschauer sind sehr stark integriert durch hypnotisierende Trommeln und Tanz. Die Sängerin, die ich eigentlich erwartet hatte, hat sich für Morgen angekündigt und ich mache mit ihr aus, dass sie sich morgen ein wenig Zeit für ein paar Bilder nimmt. Danach enden wir im Le Bistro zu einem sehr guten Essen.
(An dieser Stelle noch ein Link nur für Anke! Damit Du mich nie vergisst! )
Der Mittwoch, gestern beginnt gemeinsam mit meinen deutschen Mitbewohnern und dem Hamburger Deern. Wir werden angeholt von einem deutschsprechenden Führer, der eine Empfehlung ist und dessen Nummer ich gerne jedem weitergebe, der einmal hier sein sollte. Wir fahren zum koptischen Kloster und alle besichtigen es, ich kenne dies schon und mache Übersichtsbilder von der ‚Müllstadt‘ die unterhalb des Klosters liegt, denn in ein paar Tagen werde ich versuchen dieses Viertel zu bereisen. Es ist nicht ganz so einfach aber dazu dann, wenn es soweit ist. Der nächste Punkt ist dann auf meiner Liste eine Familie die das Mausoleum der Mutter des letzten Königs bewacht. Diese Familie habe ich schon im Januar fotografiert und alle freuen sich mich wieder zu sehen und noch mehr über die mitgebrachten Fotos. Hier verbringe ich meinen Tag, stöbere durch jeden Winkel, bekomme Tee, Essen und Einblick in alles. Man bot mir sogar einen Schlafplatz an. Ich lehne ab, verspreche aber zurückzukehren mit neuen Bildern und der Sohn wiederum freut sich, weil er mir weitere Bewohner der Totenstadt vorstellen möchte. Diese Totenstadt ist ein bewohnter Friedhof. Das ist nichts Außergewöhnliches hier, die Ärmsten der Armen können so eine alte Grabstätte beziehen, denn die Gruften haben zumeist Aufbauten und Wände, nicht immer eine Decke und da es schon auch Tradition hat gibt es gar eine Schule, einen Lebensmittelladen und auch ab und an Strom auf den Gräbern. Und die Toten werden dennoch in der ‚Nachbarschaft‘ beigesetzt. Meine deutschen Freunde genießen derweil die Pyramiden, die ich auch schon im Januar gesehen habe. Der Ort drum herum ist auch sehr interessant und dorthin werde ich auch noch zurückfahren mit einem ägyptischen Führer, den ich auf der Straße kennengelernt habe.
Um 21 Uhr beginnt dann nach einer kurzen Pause das Konzert mit der Dame die ich dann auch vielfach ablichte in der Makan Bar. Die Musikrichtung nennt sich Zar, die Band heißt Mazaher.
Zar ist eine traditionelle Musik, deren Wurzeln ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Frauen singen, tanzen und trommeln und sind die Leitfiguren im Zar. Die Musik entfaltet sich nach und nach zu einem mehrrhythmischen Trommeln und Tanzen in Interaktion mit dem Publikum zu einem riesigen Ereignis. Die Sängerin, die ich fotografiere ist Umm Zameh (Mutter von Zameh) sie ist eine echte Diva und mit dem Spiel ihrer Kopfbedeckung und einem sonnigen Lachen kann sie das Publikum mitreißen und hypnotisieren.
Eigentlich bin ich nun bei dem heutigen Tag angelangt der wieder sehr sehr ereignisreich war, aber da ich jetzt einen Mordshungerhabe, schreibe ich dann morgen wieder über heute.
Mit der Hamburgerin besuche ich El Sawy Culture Wheel, dort gibt es eine Fotoausstellung von Asharaf Talaat ‚Point Of View‘. Bilder von Ägypten, aus Indien und Deutschland. Interessante Perspektiven ergeben sich, wenn ein Ausländer das eigene Land wahrnimmt und mit einigem Witz und einem guten Auge den Finger in Wunden legen kann. Schwarz-Weiß Fotos bekommen wir zu sehen im Culture Wheel, welches unter einem ‚Overfly‘ gelegen ist. ‚Overflies‘ sind die riesigen innerstädtischen Brücken die über große Straßenkreuzungen gehen und dem Taxi-Fahrer eine Chance bietet den Gaspedal mal voll durchzutreten. Im Kulturzentrum gibt es auch ein Theater, eine Marionettenbühne, diverse andere Ausstellungen und alles befindet sich eben unter einer Brücke. Eintritt frei.
Am Dienstag fahren wir vier Deutschen zur Alabaster Mosche, hier Mohammed Ali Mosche genannt. Das ist nicht der Mohammed Ali, der seine Gegner durch den Ring gejagt hat, allerdings wurden wir auch durch die Moschee gejagt, denn einen Schritt zurück ging es nicht. Einige schöne Stadtübersichten sind entstanden, denn an diesem Tag konnte man sehr weit schauen. Im Anschluss ist es Zeit sich zu verlaufen und bei einem Straßenhändler Kosheri zu essen. Das genießen wir sehr und es ist natürlich etwas ungewohnt aus Plastikschalen zu essen, die in einem Eimer unter dem Wagen gespült werden. Das Essen ist super und ich überlebe durchfallfrei gar das gereichte Wasser, aus einem anderen Eimer. Jetzt ist mein Magen angekommen. Kosheri ist neben den Bohnen das, was der Ägypter hier gerne und viel ist, so wie der Deutsche Pommes Schranke. Hatte ich das schon beschrieben? Nudeln, Reis, Linsen, Röstzwiebeln, Kichererbsen mit Tomatensoße die mit sehr viel Knoblauch und Kreuzkümmel gewürzt ist. Lecker!
Am Abend finden sich alle in der Makan Bar ein. Da gibt es mehrmals in der Woche Musik. Heute eine Live Truppe aus dem Sudan. Die Zuschauer sind sehr stark integriert durch hypnotisierende Trommeln und Tanz. Die Sängerin, die ich eigentlich erwartet hatte, hat sich für Morgen angekündigt und ich mache mit ihr aus, dass sie sich morgen ein wenig Zeit für ein paar Bilder nimmt. Danach enden wir im Le Bistro zu einem sehr guten Essen.
(An dieser Stelle noch ein Link nur für Anke! Damit Du mich nie vergisst! )
Der Mittwoch, gestern beginnt gemeinsam mit meinen deutschen Mitbewohnern und dem Hamburger Deern. Wir werden angeholt von einem deutschsprechenden Führer, der eine Empfehlung ist und dessen Nummer ich gerne jedem weitergebe, der einmal hier sein sollte. Wir fahren zum koptischen Kloster und alle besichtigen es, ich kenne dies schon und mache Übersichtsbilder von der ‚Müllstadt‘ die unterhalb des Klosters liegt, denn in ein paar Tagen werde ich versuchen dieses Viertel zu bereisen. Es ist nicht ganz so einfach aber dazu dann, wenn es soweit ist. Der nächste Punkt ist dann auf meiner Liste eine Familie die das Mausoleum der Mutter des letzten Königs bewacht. Diese Familie habe ich schon im Januar fotografiert und alle freuen sich mich wieder zu sehen und noch mehr über die mitgebrachten Fotos. Hier verbringe ich meinen Tag, stöbere durch jeden Winkel, bekomme Tee, Essen und Einblick in alles. Man bot mir sogar einen Schlafplatz an. Ich lehne ab, verspreche aber zurückzukehren mit neuen Bildern und der Sohn wiederum freut sich, weil er mir weitere Bewohner der Totenstadt vorstellen möchte. Diese Totenstadt ist ein bewohnter Friedhof. Das ist nichts Außergewöhnliches hier, die Ärmsten der Armen können so eine alte Grabstätte beziehen, denn die Gruften haben zumeist Aufbauten und Wände, nicht immer eine Decke und da es schon auch Tradition hat gibt es gar eine Schule, einen Lebensmittelladen und auch ab und an Strom auf den Gräbern. Und die Toten werden dennoch in der ‚Nachbarschaft‘ beigesetzt. Meine deutschen Freunde genießen derweil die Pyramiden, die ich auch schon im Januar gesehen habe. Der Ort drum herum ist auch sehr interessant und dorthin werde ich auch noch zurückfahren mit einem ägyptischen Führer, den ich auf der Straße kennengelernt habe.
Um 21 Uhr beginnt dann nach einer kurzen Pause das Konzert mit der Dame die ich dann auch vielfach ablichte in der Makan Bar. Die Musikrichtung nennt sich Zar, die Band heißt Mazaher.
Zar ist eine traditionelle Musik, deren Wurzeln ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Frauen singen, tanzen und trommeln und sind die Leitfiguren im Zar. Die Musik entfaltet sich nach und nach zu einem mehrrhythmischen Trommeln und Tanzen in Interaktion mit dem Publikum zu einem riesigen Ereignis. Die Sängerin, die ich fotografiere ist Umm Zameh (Mutter von Zameh) sie ist eine echte Diva und mit dem Spiel ihrer Kopfbedeckung und einem sonnigen Lachen kann sie das Publikum mitreißen und hypnotisieren.
Eigentlich bin ich nun bei dem heutigen Tag angelangt der wieder sehr sehr ereignisreich war, aber da ich jetzt einen Mordshungerhabe, schreibe ich dann morgen wieder über heute.
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